Radierung von 1762 um 1840

Baugeschichte

Ursprung

Die Schlossanlage geht in ihrem Ursprung auf eine Burg zurück, die als Stützpunkt für die Kolonisierung des Pleißenlandes 1165 bis 1172 errichtet wurde. Aus dieser Gründungsphase ist der untere Teil des Bergfriedes, aus dunklen Buckelquadern gefügt, bis heute erhalten.

1430 belagerten Hussiten die Burg und zerstörten sie fast völlig. In den Folgejahren ließ Veit II. von Schönburg am gleichen Standort eine neue Anlage errichten, die im Jahr 1519 einem Feuer zum Opfer fiel. Der Gebäudekomplex entstand kurz darauf neu.

Unter Hugo I. von Schönburg erfolgte 1556 bis 1565 der Neubau des Vorderen Schlosses in Renaissanceformen, wodurch eine Doppelschlossanlage entstand. Der westliche Wohnflügel dieses Neubaus war zweigeschossig, der nördliche Gebäudeflügel eingeschossig angelegt. Beide Schlösser standen bis 1619 nebeneinander, bis ein Brand am 9. Februar die hintere Schlossanlage erneut vernichtete. Von dieser ist lediglich das Portal, welches in den Grünfelder Park umgesetzt wurde, erhalten (Tor „Zur stillen Naturfreude"). Die übrige Ruine des Hinteren Schlosses wurde nicht wieder aufgebaut und blieb bis zu deren Abriss im Jahr 1783 unverändert bzw. teilgenutzt stehen. Mit dem Bauschutt verfüllte man den Wallgraben, der sich zwischen den beiden Anlagen befand.

In den Jahren 1778 bis 1800 erfolgte auf Veranlassung Otto Carl Friedrichs (1756–1800), ab 1790 Fürst von Schönburg-Waldenburg, eine Erneuerung des Vorderen Schlosses, ebenso unter seinem Sohn Otto Viktor I. im Jahr 1835.

Im Zusammenhang mit der Bürgerlichen Revolution wurde das Renaissanceschloss am 5. April 1848 von aufgebrachten Demonstranten geplündert und völlig niedergebrannt.

1904

Schlossneubau 1855–1859

Die Pläne für den Schlossneubau, welcher 1855 bis 1859 als historistische Vierflügelanlage mit Stilelementen der Romanik und englischen Tudorgotik entstand, stammen vom Architekten Eduard Pötsch, Leipzig.
Der von Fürst Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg (1785–1859) beauftragte Bau wurde als dreigeschossiges, kastellartiges Gebäude mit Innenhof und Turm ausgeführt.
Die Innenausstattung der Gesellschaftsräume entsprach dem historistischen Zeitgeschmack.
Über dem Haupteingang des Schlosses befand sich ein Balkon, der heute als nahezu unverändert erhalten gebliebenes Fassadenelement dieser Bauzeit an der Westseite des Schlosses zu finden ist.

Eine gartenarchitektonische Gestaltung des Schlossparks erfolgte im Spätsommer 1858 durch den Pillnitzer Hofgärtner Otto Terscheck.

Umbau und Erweiterung 1909–1912

Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Schloss Waldenburg durch einen aufwändigen Umbau unter Fürst Otto Victor II. von Schönburg-Waldenburg (1882–1914) in den Jahren 1909 bis 1912.
Unter der Oberbauleitung des Königlich Sächsischen Hofbaurates Gustav Frölich (1859–1933) entkernte man Teile des Bauwerkes aus dem 19. Jahrhundert und ordnete sämtliche Räume und deren Funktionen nach damals zeitgemäßen Ansprüchen neu. Technisch stattete Gustav Frölich das Schloss mit dem für die Zeit um 1910 modernsten Errungenschaften aus, wie zum Beispiel vollständiger Elektrifizierung, Telefon, zentraler Dampfheizung, Warmwasseranlage, komplexer Be- und Entlüftung, Speisenaufzug, separater Löschwasserleitung und zentraler Staubsaugeranlage.
Wesentliche Veränderungen der Architektur ergaben sich durch das Einfügen des östlichen Seitenflügels, der Veränderung der Dachformen und dem Anlegen der Terrassen.
Die Nord- und Südseite des Schlosses versah man am Mittelrisalit mit Sandsteinverblendung, Porphyrpilastern und Giebelaufbauten.
Das Hauptportal erfuhr eine Aufwertung durch den Anbau eines weit vorspringenden Altans mit Auffahrtshalle aus Sandstein.

Die Innenausstattung ist, der aristokratischen Wohnkultur entsprechend, sehr luxuriös. Das Vestibül gestaltete der Architekt mit gerade in Mode gekommenem scharrierten Kunstkalkstein, die Fußböden und Treppen sind mit weißem und schwarzem Marmor belegt.

Durch Überbauung des zentral in der Anlage gelegenen alten Innenhofes entstand die großzügige Treppenhalle mit Oberlicht.

Kunsthistorisch besonders wertvoll sind die in Originalausstattung erhaltenen Festsäle, Blauer und Gelber Saal, Bibliothek, Chinesisches Zimmer, Gobelin- und Spiegelzimmer sowie Treppenhalle und Vestibül. Dieses Ensemble der Reformarchitektur stellt eines der konsequentesten und umfangreichsten Beispiele eklektizistischer Ausstattung dar.

Um höchste Qualität Dresdener Bautradition der Jahrhundertwende bemüht, verpflichtete der Architekt Gustav Frölich Firmen und Handwerker, die bereits für den sächsischen Hof tätig waren.

1928 wurde die Immobilie in das Eigentum eines Vereins überführt, um sie und die im Schloss befindlichen Kunstsammlungen der Öffentlichkeit und Wissenschaft zugänglich zu machen.

 

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende 1945 ist das Anwesen teilweise geplündert worden. Der Kreisrat Glauchau ermöglichte 1948 die Eröffnung einer Lungenheilstätte im Gebäude. Dadurch konnte nicht nur der geplante Abriss verhindert, sondern Schloss Waldenburg für Jahrzehnte, bis 1998 in eine Nutzung als Fachkrankenhaus überführt werden, die den Erhalt des Bauwerkes und seiner Ausstattung sicherte.

Der Landkreis saniert seit 2005 das Schloss. Dach, Fassade und Schlosskapelle erstrahlen für Besichtigungen, Konzerte, Trauungen und Festivitäten wieder im alten Glanz von 1912.